Systemische Therapie


Was ist Systemische Therapie?

Die Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren. Die Wechselwirkungen zwischen dem Einzelnen und seinem Umfeld stehen im Fokus der Systemischen Therapie. Das zwischenmenschliche Umfeld sind Lebenspartner, Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen etc. Veränderungen in einem Teil des Systems wirken sich auf alle Mitglieder aus. Gestörte Beziehungen, problematische Verhaltensweisen, ungünstige Kommunikationsmuster einer Person innerhalb des Systems können auch andere Personen im System beeinträchtigen. Im Unterschied zu vielen anderen Therapierichtungen liegt der Hauptfokus nicht darauf, die Ursache des Problems zu finden. In der Systemik geht man eher davon aus, dass jede Störung auch einen Zweck im System erfüllt, der die Aufrechterhaltung unterstützt. Gemeinsam mit dem Patienten wird dieser aufgespürt. Aus neuen Blickrichtungen und Gedankenexperimenten ergeben sich neue Lösungsansätze.

Eigeninitiative und Mitarbeit

Wie die meisten Therapien ist die Systemische Therapie nur sinnvoll, wenn der Patient sich darauf einlassen möchte. Dazu gehört vor allem die Bereitschaft, die genauen Vorgänge im System zu betrachten. Wichtig ist zu Beginn einer Systemischen Therapie aber auch eine möglichst präzise Auftragsklärung: Welche Ziele möchten Sie mit der Therapie erreichen? Empfohlen werden relativ wenige Termine pro Therapie (ca. 6 bis 12) mit jeweils 50 Minuten (als Einzelsitzung) in größeren zeitlichen Abständen zwischen den einzelnen Sitzungen (ca. 4 Wochen), in der Sie therapeutische Aufgaben erledigen und neue Erkenntnisse aus den Sitzungen in ihrer eigenen Lebenspraxis ausprobieren können. Der systemtherapeutische Schwerpunkt liegt also auf der Eigeninitiative und Mitarbeit.

Methoden und Interventionen

Es gibt eine Vielzahl systemischer Fragetechniken, Methoden und Interventionen, z. B.:

  • Zirkuläre Fragen
  • Skalenfragen
  • Hypothetische Fragen
  • Ressourcenorientierte Fragen
  • Reframing (Umdeutung)
  • Paradoxe Interventionen
  • Metaphernarbeit
  • Genogramm
  • Soziogramm
  • Systembrett

Dieser Mix verschiedener Techniken ermöglicht Aha-Effekte, das Erkennen neuer Sichtweisen, die Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten und damit positive Veränderungen im System.

In Deutschland wird die Systemische Therapie seit Ende 2008 als wissenschaftliches Psychotherapieverfahren anerkannt. Systemische Therapie kann im Einzel- oder Paarsetting stattfinden.

Systemische Sexualtherapie

Die systemische Sexualtherapie wurde von Prof. Ulrich Clement begründet. Er geht in seinem systemischen Konzept davon aus, dass sich das sexuelle Begehren aus dem Unterschied beider Partner ergibt. Clement betrachtet die bestehende Sexualität eines Paares als die aktuelle Lösung, auf die sich das Paar im Spannungsfeld zwischen den individuellen erotischen Profilen und den Besonderheiten der partnerschaftlichen Sexualität geeinigt hat. Meine Ausbildung in systemischer Sexualtherapie bei Ulrich Clement hat meine sexualtherapeutische Arbeit um viele Ansätze, Methoden und Sichtweisen ergänzt.

Häufige Fragen in der systemischen Sexualtherapie sind z. B.:

  • Worin bestehen meine erotischen Ressourcen?
  • Welche Aspekte meiner Sexualität möchte ich noch kennenlernen?
  • Welche Seiten meiner Sexualität zeige ich meinem Partner nicht und weshalb?
  • Welche Facetten meiner Sexualität würde ich mich gern in die Paarbeziehung einbringen?
  • Wie kann ich mit sexuellen Differenzen in der Paarbeziehung umgehen?
  • Welche Gestaltungsmöglichkeiten sehe in der Paarbeziehung?
  • Welche unverhandelbare Grenzen gibt es für mich?

Systemisch gesehen ändert sich die Sichtweise zu vielen Fragen der Sexualität. Sexuelle Langeweile z. B. entsteht aus dem Wunsch, dem Partner zu gefallen. In längeren Beziehungen entwickelt sich oft eine Sexualität, die auf gegenseitiger Rücksichtnahme und Bestätigung basiert und zunehmend an Spannung verliert. Um Spannung zu erhalten, ist die Bereitschaft wichtig, sich selbst und den Partner immer wieder neu zu entdecken. Erfüllende Sexualität ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess.

Hinweis


Psychotherapie kann die körperliche Untersuchung und Behandlung durch einen Arzt nicht ersetzen oder unnötig machen. Bei körperlichen Beschwerden begeben Sie sich bitte in ärztliche Behandlung.