Abhängigkeits-Erkrankungen – Neues Therapie- und Beratungsangebot

29. Juli 2020 - von Anke Oetken


Die Praxis caposano hat ihr Angebot erweitert. Ab sofort können sie psychotherapeutische Behandlung, Beratung und Therapie zu stoffgebundenen und stoffunabhängigen Abhängigkeitserkrankungen in Anspruch nehmen. Das Angebot richtet sich an Betroffene und
Co-Abhängige. Auch hier können Testverfahren und Gespräche den Betroffenen das Ausmaß ihrer Abhängikeit bewusster machen und Motivation stärken, die Krankheit behandeln zu lassen.


Was ist Sucht?

Sucht, auch Substanzgebrauchsstörung genannt, kommt von Siechtum und gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen mit schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit und das soziale Umfeld. Sie bezeichnet zwanghaftes und unkontrolliertes Verlangen nach einer oder mehrerer Substanzen (multipler Substanzgebrauch) oder nach bestimmten Verhalten und hat den Charakter einer psychischen Störung. Die Folgen einer Abhängigkeit sind für die Betroffenen und die soziale Gemeinschaft mit hohen Kosten für Entzug und Therapie, mit chronischen Krankheiten, mit Arbeitsplatzverlust, Zerrüttungen von Partnerschaften, Obdachlosigkeit und leider oft auch mit dem Tod verbunden. Nicht selten werden zugunsten der Beschaffung Straftaten begangen (Abwärtsspirale).


Stoffgebundene und nicht stoffgebundene Substanzen

stoffgebunden:
Alkohol, Opioide (Heroin), Sedativa Hypnotika, Cannabinoide, Kokain, Crack, Crystal Mesh, LSD, psychoaktive Pilze, Halluzinogene, MDMA (Ecstacy), Tabak, flüchtige Lösungsmittel (Schnüffelstoffe), ...
Diese Stoffe wirken sich auf das zentrale Nervensystem aus und werden daher auch als psychoaktive Substanzen bezeichnet.
Sie beeinflussen die Gefühle, die Gedanken, das körperliche Befinden und das Verhalten.
nicht stoffgebunden:
Messie Syndrom auch Animal Hoarding, Spielsucht, Kaufsucht, Internetsucht, Kleptomanie (Sucht zu Stehlen), Brandstiftung, Trichotillomanie (Haare ausreißen), ...


Abhängigkeitskriterien

Von Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn mindestens einen Monat lang (oder wiederholt in den letzten 12 Monaten) ein poblematisches (Trink- oder Sucht-) Verhalten bestanden hat und mindestens 3 der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen, die Substanz einzunehmen ( Craving oder auch Suchtdruck )
  • Kontrollverlust was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft.
  • Toleranzentwicklung , d.h., es wird immer mehr der Substanz benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen
  • Körperliche Entzugssymptome , sobald die Substanz nicht zur Verfügung steht (z. B.: morgentliches Zittern, starke Unruhe, Schwitzen)
  • Vernachlässigung anderer Verpflichtungen, Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzgebrauchs
  • Fortdauernder Substanzgebrauch, obwohl bereits schädliche Folgen eingetreten sind (Leberzirrhose)

Suchtmotive (gewünschte Wirkweisen)

Sucht ist verbunden mit dem Wunsch und dem heftigen Verlangen nach einer wiederholten bestimmten Wirkung, vornehmlich lustvolles, positives Erleben, wie z. B.:

  • Rausch
  • Entspannung
  • Enthemmung
  • Lösung von Verstimmungen
  • Schmerzlinderung
  • Leistungssteigerung
  • Betäubung
  • Selbstempathie
  • Gruppendruck (Wunsch nach Zugehörigkeit)
  • Belohnung
  • Langeweile
  • Einsamkeit
  • Erlebnissuche
  • intensives Reizerleben
  • Abgrenzung von Eltern und anderen Autoritätspersonen
  • ...

Verfügbarkeit und Wirkgeschwindigkeit

Die Verfügbarkeit, insbesondere die gesellschaftliche Akzeptanz von z. B. Alkohol verführt zu regelmäßigem Konsum und kann bei Kontrollverlust zur Abhängigkeit führen. Trotz der kurz- und langfristig gesehen negativen Auswirkungen kann auf den Konsum nicht mehr verzichtet werden.

Die Darreichungsformen (Tabletten, Spritzen, Puder, Flüssigkeit, Gase) haben großen Einfluss auf die Wirkgeschwindigkeit einer Droge. Eine schnelle Wirkung erhöht die Wahrscheinnlichkeit einer Abhängigkeitsentwicklung.


Phasen der Therapie

  • Motivationsphase (sie erhalten Unterstützung zur Bewusstwerdung Ihrer Problematik und der weiteren Vorgehensweise)
  • Entgiftungsphase (körperlicher Entzug in einer dafür vorgesehenen Klinik mit medikamentöser Unterstützung)
  • Entwöhnungs- und Rehabilitationsphase (körperliche, psychische und soziale Stabilisierung unter fachärztlicher Aufsicht)
  • Stabilisierungsphase (Nachsorge, Verhaltensanalyse, Verhaltensänderung, Umfeld, Selbsthilfegruppen ...)

Wie sieht die psychotherapeutische Behandlung aus?

Es gibt verschiedene Therapieformen:

Zum einen die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologie (Ursachenforschung) und zum anderen die Verhaltenstherapie und die Kognitive Verhaltenstherapie . Aber auch die Paar- und Familientherapie können sinnvoll sein.
Um eine Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können, ist Abstinenz zunächst keine zwingende Voraussetzung. Vielmehr soll die Motivation zur Veränderung des Suchtverhaltens erzielt werden. Je höher die Motivation desto besser kann der Patient mit Herausforderungen und Rückfällen umgehen.

In der Kognitiven Verhaltenstherapie lernt der Betroffene:

  • Aufbau von Motivation
  • Maßnahmen zur Vorbeugung von Rückfällen
  • Ziele definieren
  • Konkrete Schitte durchführen
  • Auslöser kennenlernen
  • Vor- und Nachteile des bisherigen Substanzgebrauchs
  • Vor- und Nachteile der Abstinenz
  • Stressbewältigungsstrategien
  • Reaktion und Ablehnungstraining bei Einladungen zum Substanzgebrauch
  • Mit Rückfällen umzugehen
  • ...

… mehr Infos zu Abhängigkeitserkrankungen und Therapieangeboten in der Einzelsitzung